Adam Smith (1723 – 1790) und weiterführende Literatur

The philosopher Adam Smith wasn’t the free-market fundamentalist many assume he was. It’s time we started reading him properly (Amartya Sen)

Keine andere Denkrichtung unterliegt so vielen Missverständnissen wie der Liberalismus. Zwar sind die grundlegenden Elemente wie Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat heute Allgemeingut und werden liberalen Denkern wie David Hume, John Stuart Mill und anderen Klassikern zugeschrieben. Ausgangspunkt des Liberalismus ist die  zentrale Rolle des Individuums, des Menschen als zu freiem und verantwortungsbewusstem Handeln befähigter Gestalter seiner eigenen Lebensverhältnisse.  Dies führt zum Bekenntnis zum Recht auf Erwerb und Besitz von Privateigentum und der Bedeutung der Marktwirtschaft als Grundlage der Freiheit der Individuen.

Auch in sozialpolitischer Hinsicht kann Smith als fortschrittlich in einer Zeit gewertet werden, der die Frage der Armut zu einem wesentlichen Thema macht. Smith weist auch auf die unterschiedliche Marktmacht von Kapital und Arbeit hin und kritisiert das Ungleichgewicht der Macht der Unternehmer, die in Zünften zusammengeschlossen waren, und der Atomisierung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Bei Lohnverhandlungen sieht Smith Arbeiter in einer viel schwächeren Position als Unternehmer. Lohnerhöhungen sind, so Smith, eine notwendige Folge von Wirtschaftswachstum, wobei nicht die absolute Höhe des Volkseinkommens, sondern sein stetiges Ansteigen ausschlaggebend ist.

Die Beschränkung der Macht des Staats ist keinesfalls als Vorstellung zu einem „Nachtwächterstaat“ zu verstehen, sondern vielmehr werden ihm wichtige Funktionen zugewiesen, etwa für die Herstellung von Infrastruktur durch „public works“, die Verantwortung für Bildung bei Smith thematisiert.

Weiterführende Literatur:

Heilbroner, The essential Adam Smith

Smith, The Wealth of Nations

Smith, The Theory of Moral Sentiments

Smith, Lectures on Jurisprudence

Amartya Sen, Adam Smith and the contemporary world

Pohoryles, Die Aktualität von Adam Smith

Adam Smith Syllabus